Zukunftsideen für Zwickau und die Region – (11)  – Solardach für die B93 zwischen Zwickau Pölbitz und Moseltunnel

Diese Idee ist wieder etwas komplexer und futuristischer. Wie die Zukunftsidee (08) beschäftigt sich diese mit dem Thema Energie. Gerade jetzt, nachdem der Ausstieg aus der Kohleenergie beschlossen wurde, muss man neue Wege der Energiegewinnung gehen. Der Gedanke entstand bei einer Fahrt auf der Autobahn von Hof nach Regensburg. Auf dieser Strecke ist es auffällig, dass rechts und links der Fahrbahnen immer mehr Flächen für Solaranlagen genutzt werden. Sie schießen schneller als Pilze aus dem Boden. Parallel hörte ich im Radio einen Bericht, dass in Bayern die Grünen ein Gesetz auf den Weg bringen wollten, dass Flächenversiegelung eindämmt.

Nun sind Solaranlagen keine Versiegelung, aber es ist fraglich, ob jede Waldlichtung als Standort für Solaranlagen der Umwelt dient oder schadet? In einem Bericht habe ich gelesen, dass die Temperatur unter einer Solaranlage, in der bodennahen Bauform, ca. 3-4 °C geringer ist, als die normale Temperatur. Blickt man unter eine Solaranlage, die auf einer Wiese gebaut wurde, sieht man deutlich den Unterschied in Fauna und Flora zu einer Fläche, die nicht “überbaut” ist.

Zuerst stellte ich mir die Frage, warum baut man nicht die Solaranlagen höher? Damit würde man die Tier-und Pflanzenwelt besser schützen? Die zweite Frage wäre, warum kombiniert man nicht die Solaranlage mit Vertikalwindkraftanlagen? Damit könnte man die Stromausbeute auf der gleichen Fläche erhöhen.

Beim weiteren durchdenken dieses Themas kam ich zu dem Schluss, dass es sinnvoller ist, bereits bebaute Flächen mit Solaranlagen zu versehen. Im Prinzip kommt da fast jedes Gebäude in Frage. Es wird ja auch schon sehr viel erfolgreich praktiziert. Dies ist auf alle Fälle sinnvoller, als die Natur weiter zu verunstalten. Bei der weiteren Fahrt überlegte ich mir, was sind eigentlich noch so “versiegelte Flächen”? Die Antwort lag vor mir – Straßen und Autobahnen.

Nun sind nicht alle Straßen geeignet überdacht zu werden. In dem Moment ging ich meine Heimatregion im Kopf durch, welche Straße geeignet wäre, für ein solches Projekt. Das Ergebnis war die B93 zwischen Zwickau Pölbitz und Moseltunnel.

Zur Info: Alle folgenden Zahlen sind dabei reine Schätzwerte, die ich anhand öffentlich zugänglicher Quellen im Internet ermittelt habe. Diese müssten durch Fachleute präzise nachkalkuliert und konkretisiert werden. Zur Darstellung des Nutzens dienen sie aber allemal.

Der besagte Streckenabschnitt ist ca. 6 km lang. Nimmt man eine Breite von 20 Metern an, könnte man eine Solarfläche von ca. 120.000 qm erreichen.

Pro Quadratmeter kann man 100 kWh pro Jahr gewinnen. Wenn man das hochrechnet, wären das ca. 12.000 MWh im Jahr.  Die Einspeisevergütung liegt zwischen 0,10 -0,15 € pro kwh. Legt man 0,10 € zu Grunde bedeutet es, dass die Anlage ca. 1,2 Mio € pro Jahr erwirtschaftet. Legt man einen Kostenfaktor von 150 € pro qm Solarfläche zugrunde, käme eine Investition von 18 Mio Euro zusammen. Da diese Zahl von einer Berechnung einer Dachkonstruktion mit viel geringerer qm Zahl ausgeht, sind die Kosten wahrscheinlich geringer. Dazu kommt jedoch die Träger Konstruktion über der Straße. Der Einfachheit gehe ich von Gesamtinvestitionskosten von 20 – 25 Mio € aus. Geht man von 1,2 Mio Ertrag aus, hätte sich allein durch den gewonnen Strom die Anlage in ca. 20 Jahren amortisiert.

Doch das ist nur ein Teil des Gewinns.

Das Solardach bietet noch weitere Vorteile

  • Fahrzeugführer werden ohne direkte Sonneneinstrahlung weniger geblendet, das Unfallrisiko sinkt
  • Die Fahrbahn unterliegt geringeren WItterungseinflüssen, hier spart man an der Fahrbahnerneuerung
  • Bei Regen und Schnee ist die Fahrbahn geschützt, die Unfallgefahr sinkt
  • Da Schnee wenig oder gar nicht auf die Fahrbahn kommt, spart man beim Winterdienst
  • Durch weniger Winterdienst wird weniger Lauge oder Salz aufgetragen, damit ist es ein Beitrag zur Schonung der Umwelt.

Optional besteht die Möglichkeit an den Stützträgern Vertikalwindkraftanlagen zu installieren. Dies würde die Effizienz der Gesamtanlage noch mehr erhöhen und es besteht die Möglichkeit, dass auch Nachts Strom erzeugt wird.

Bezieht man alle diese Faktoren ein, gäbe es nicht nur den Ertrag durch die Stromgewinnung, sondern auch eine erhebliche Entlastung des Haushalts der Kommune. Dies käme dann allen wieder zu Gute.

Wenn meine Berechnungen stimmen, könnte allein diese Anlage den Strombedarf von vielen Haushalten in Zwickau decken. In Kombination mit einem flexiblen Strompreis und dezentralen Speichern könnte jeder Zwickauer damit auch persönlich Geld sparen.

Für Einsparungen bei der Investition könnte man bei der Kostenseite herausfinden, ob es Förderprogramme für ein solches Projekt gibt. Da die Förderung für erneuerbare Energien momentan sehr angesagt sind, kann ich mir Unterstützung von EU, Bund oder Land gut vorstellen. Somit könnten die Kosten für den Träger weiter gesenkt werden.

Ich kann mir auch vorstellen, dass dieses Projekt Schule machen kann. Gerade der Abschnitt der BAB 4 zwischen der Freistaat Grenze und der Anschlussstelle Glauchau Ost bietet sich dazu an.

Auf Verbraucherseite gibt es immer weiter wachsenden Strombedarf, ich denke da vor allem an den Bereich Mobilität. Ein solche Projekt würde helfen diesen zu decken. Dazu wird es jedoch zu einem späteren Zeitpunkt eine weitere Zukunftsidee geben.

Die Diskussion zum Thema kann man hier bei Facebook führen:

Alle Zukunftsideen findet man auch unter www.h-r.net.


Text/Foto: ©Heiko Richter 

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