Zukunftsideen für Zwickau und die Region – (2) Ausbau und Erweiterung des Straßenbahnnetzes

Bereits an anderen Stellen habe ich deutlich gemacht, dass ich einen gut organisierten ÖPNV für die Mobilität der Zukunft als Basis sehe. Auf Grund dessen, werden sich mehrere meiner Zukunftsideen mit diesem Thema befassen. Gerade in einer traditionellen Autostadt wie Zwickau, in der viele Innovationen in der Geschichte hervorgebracht wurden, bietet sich die Chance beim Thema Mobilität, dieses Erbe fortzusetzen.

In Zeiten in denen in anderen Städten Fahrverbote aufgrund von zu hoher Feinstaubwerte Werte eingeklagt werden, bietet die Straßenbahn eine Chance diese Werte erheblich zu senken. Es ist allgemein bekannt, dass Feinstaub nicht nur durch Diesel entsteht, sondern zu einem großen Teil auch durch Reifenabrieb. Noch sind vor allem Diesel PKW im Visier eines deutschlandweit bekannten Abmahnvereins. Es ist jedoch zu befürchten, dass wenn die „Einnahmequelle“ Diesel versiegt ist, dieser sich neue gewinnbringende Opfer sucht. Mit der Straßenbahn ist man im Bereich Feinstaub darauf vorbereitet. Ein weiterer Vorteil: da Straßenbahnen oftmals außerhalb der Fahrbahn fahren, führt das in diesen Abschnitten zu einem bei der Straßenbahn staufreien Verkehrsfluss. Dies hat einen geringeren Emissionsausstoß zur Folge. Straßenunabhängige Gleise können sogar begrünt werden.

Es ist kein Geheimnis, dass das Straßenbahnnetz zum Tafelsilber einer jeden Stadt gehört. Ich sehe es daher als befremdlich an, wenn manche Parteien / Gruppen gerade gegen Streckenneubau bei der Straßenbahn agieren. In anderen Städten werden komplette Netze aus dem Boden gestampft, wie beispielsweise in Ahus in Dänemark oder in Dubai.In anderen Orten Deutschlands baut das Streckennetz ständig aus und erweitert es. Beispiele sieht man in  Karlsruhe und Freiburg. Ehemals stillgelegte Strecken werden reaktiviert, wie in Augsburg. In Chemnitz wurde sogar das Straßenbahnnetz mit dem Eisenbahnnetz verbunden und die Straßenbahn in den Hauptbahnhof integriert.

Foto: Straßenbahn im Chemnitzer Hauptbahnhof

Die Straßenbahnverbindung zwischen Hauptbahnhof  und Kopernikusstraße, ist eine kleine Investition in die Zukunft, von der unsere Kinder, Enkel und Urenkel noch in 100 Jahren profitieren werden. Die Vorteile liegen auf der Hand:

  • Aus Richtung Marienthal hätte man eine kürzere Anfahrtszeit zum Hauptbahnhof
  • Die Anbindung des Hauptbahnhofs ans Straßenbahnnetzes bliebe erhalten
  • Der Hauptbahnhof würde auch in der Nacht und am Wochenende mit der Straßenbahn bedient
  • Besucher von Patienten im HBK, die von außerhalb kommen, hätten kürzere Wege bzw. Anreisezeiten.
  • Die Straßenbahn hat eine positive Auswirkung auf die Geschäfte in der Bahnhofstraße
  • Der Autoverkehr profitiert stadtwärts im Bereich Werdauer Straße / Kreuzung Humboldtstraße. Es wird weniger Staus geben
  • In landwärtiger Richtung wird der Fahrverkehr flüssiger, da man auf der Werdauer Straße durchgehend zwei Spuren nutzen kann und ein eventueller Zwangsstopp durch die bisherige Haltestelle der Straßenbahn entfällt.
  • Durch die Straßenbahn könnte man eine bessere Synchronisation des Zugverkehrs mit dem ÖPNV erreichen.

Gerade die Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes bietet die große Chance das Tor zur Stadt so modern und zukuftsorient zu gestalten, dass dadurch mehr Menschen über diesen Weg nach Zwickau finden.

Eckpunkte wären dazu:

  • Barrierefreiheit
  • Behindertengerecht
  • Überdachte Wege und Haltestellen
  • Für Rollkoffer geeigneter Straßenbelag
  • Übersichtliches Informationssystem zum ÖPNV in Zwickau
  • Aktive und attraktive Werbeflächen (siehe Globus Videowall) als Finanzierungsunterstützung

Für die Zukunft kann ich mir beim Thema Straßenbahn folgendes vorstellen:

Phase 1: (nächsten 5 Jahre)

Verbindung aller Endhaltestellen miteinander. Es gäbe dann folgende Linien:

  • Pölbitz – HBK
  • Pölbitz – Neuplanitz
  • Pölbitz – Eckersbach
  • Eckersbach – Neuplanitz
  • Eckersbach – HBK
  • Neuplanitz – HBK *

*Hierfür wäre die Schaffung einer Abbiegemöglichkeit notwendig. Der Vorteil wäre, man hätte eine direkte Verbindung Hauptbahnhof – Innenstadt. Die neuen Linien brächten eine Verdichtung der Taktung und weniger Umstiege mit sich. Ich kann mir gut vorstellen, dass diese neue Qualität hilft, Bürger zum Umstieg vom Auto zum ÖPNV zu motivieren.

Phase 2: (nächsten 20 Jahre)

Streckenausbau in Richtung Wilkau – Haßlau (wie in der Vergangenheit) und von Pölbitz nach Norden in Richtung Crossen bis hin zum VW Werk. Eventuell auch Anbindung bis nach Meerane und Glauchau bis Crimmitschau und Werdau, im Süden bis Kirchberg und weiter

Phase 3: (nächsten 50 Jahre)

Streckenausbau durch den Mülsengrund von Meerane Dennheritz bis Ortmannsdorf

Weiterführung der Strecke Glauchau bis Hohenstein. 

Fazit: Der Ausbau des ÖPNV ist eine Investition in die Zukunft. Ja, Straßenbahnausbau kostet viel Geld. Entlohnt wird man jedoch dafür mit sauberer Luft und einem langlebigen Verkehrsmittel. Manche Straßenbahnlinien gibt es schon mehr als 100 Jahre. Jedoch auch der Individualverkehr profitiert von der Straßenbahn. Jeder der mit der Straßenbahn fährt, fährt nicht mit dem Auto. Die Folge, weniger Autos, weniger Stau. flüssigerer Autoverkehr

Die Diskussion zum Thema kann man hier bei Facebook führen:

Alle Zukunftsideen findet man auch unter www.h-r.net.

Text und Foto: ©Heiko Richter

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