Zukunftsideen für Zwickau und die Region – (8) – Flexibler Energiepreis

Momentan kann man beobachten, dass vor allem durch die “Energiewende” der Strompreis stetig nach oben geht. Europaweit hat Deutschland den höchsten Strompreis, wie das Portal Verivox ermittelte. (https://www.verivox.de/nachrichten/eu-vergleich-deutschland-hat-den-hoechsten-strompreis-120480/ )

Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht abzusehen. Der Ausstieg aus der Braunkohle wird voraussichtlich weiter für einen Preisanstieg sorgen. Meine Zukunftsidee zielt daher darauf hin, durch intelligentes Energiemanagement diesen Prozeß zu bremsen bzw. eventuell sogar umzukehren

Der Ist – Zustand:

Fakt 1:

Der Energiesektor gliedert sich auf, in grundlastfähige Stromerzeugung (Atomstrom, Kohle- und Gaskraftwerke und Strom durch erneuerbare Energien (Windkraft, Solarstrom oder Wasserkraft). Prinzipiell ist es so, dass Strom in Echtzeit erzeugt werden muss, wenn der Verbraucher Strom nutzt. Die Speicherung in Größenordnungen ist derzeit nur mit sehr hohem Aufwand möglich. Ein Beispiel ist ein Energiespeicher, der erst kürzlich für die  Lausitz vorgestellt wurde (https://www.rbb24.de/studiocottbus/wirtschaft/2018/12/leag-batteriespeicher-lausitz-spei cher-batterie.html )

Konnte man bei der grundlastfähigen Energiegewinnung zum Lastenausgleich noch Kraftwerksblöcke zu- und abschalten, ist man bei den sogenannten erneuerbaren Energien auf äußere nicht planbare Bedingungen (Sonne, Wind, Wasser) angewiesen. Durch den ständigen Ausbau der erneuerbaren Energien, ergeben sich immer erheblichere Schwankungen.

Dies ist auch einer der Gründe warum der Strom auch international gehandelt wird. Dadurch wird ein Ausgleich geschaffen. Erzeugt Deutschland mit seinem hohen Anteil an erneuerbaren Energien wenig Strom, beispielsweise in  einer windstillen Nacht, muß Strom teuer eingekauft gekauft werden. Doch auch wenn Sonne scheint und Wind kräftig pustet ist dies nicht unbedingt optimal, denn es wird dann oft mehr Strom erzeugt, als Abnehmer da sind. In dieser Situation exportiert Deutschland Strom. Dabei passiert es, dass man nicht etwa Geld dafür bekommt, sondern, dass wir dafür bezahlen müssen, dass der Strom abgenommen wird.

Wir merken uns an dieser Stelle, dass der Strompreis erhebliche Differenzen aufweist. Der Verbraucher merkt davon derzeit recht wenig, da er Strom zum Festpreis vom Anbieter verkauft wird. Dieser gleicht gewissermaßen die “Einkaufsdifferenz” aus und/oder betreibt eigene Kraftwerke.

Fakt 2:

Als ich im Herbst 2018 auf der  IFA in Berlin war, kam man einem Thema nicht vorbei – Smart Home, oder auch das Netz der Dinge.

Schon heute kann man mit vernetzten Geräten sich die Temperatur der Gans im Ofen auf seinen Smartphon anzeigen lassen, seine Heizung von unterwegs steuern und im Supermarkt via Internet in seinen Kühlschrank schauen, um zu sehen welche Einkäufe man tätigen muss. Ebenso gibt es auch Beispiele der Kommunikation zwischen den Geräten. So kann zum Beispiel die Dunstabzugshaube mit dem Herd kommunizieren, um die optimale Abluft zu ermöglichen. Ich bin mir sicher weitere Anwendungen werden folgen. Alexa, Siri oder Google sind dabei die Schnittstellen, die eine einfache Bedienung per Sprachsteuerung ermöglichen.

Fakt 3

Derzeitig immer mehr digitale Stromzähler auf dem Vormarsch, die eine Datenübermittlung ermöglichen. Das hat für die Energieversorger den Vorteil, dass die Daten zentral ausgelesen können. Für den Verbraucher bringt es momentan oftmals nur höhere Kosten. Doch die Datenübertragung und Vernetzung kann auch Vorteile bringen. Ein beispiel dafür liefert hier RWE (https://www.presseportal.de/pm/79232/3067467 )

Die eigentliche Idee:

Wenn man die oben genannten Fakten zusammen nimmt, ist es naheliegend, wie man sich diese auch in jedem Haushalt gewinnbringend nutzbar machen kann. In der Hoffnung dass Energieanbieter und Gerätehersteller mitlesen, stelle ich meine Idee vor. Voraussetzung wäre ein flexibler Energiepreis, der die Schwankungen an der Energiebörse an den Verbraucher weiter gibt. Dazu wäre ein digitaler Stromzähler notwendig, der den aktuellen Verbrauch in Echtzeit abrechnet und ein Steuerteil, welches diese  Daten an Smarthome Geräte übermittelt.

Den Nutzen für den Verbraucher könnte man in drei Evolutionsstufen in den Markt einführen:

Stufe 1: steuerbare Geräte

Die Idee hier ist, dass nicht jedes Gerät zu jeder Zeit benötigt wird. Ich denke da beispielsweise an Waschautomaten, Trockner oder Geschirrspüler, Ladegeräte …..
Diese Geräte können zeitunabhängig agieren. Per App kann man bestimmen, ab welchem Strompreis die einzelnen Geräte starten. Der durchschnittliche Strompreis liegt in Deutschland bei ca. 30 Cent pro kw/h. Stellt man jetzt den Betrag auf 20 Cent pro kW/h, beispielsweise beim Geschirrspüler ein, startet das Gerät erst, wenn dieser Preis vom digitalen Stromzähler angezeigt und an die Steuerung weitergegeben wird. Selbstverständlich kann man das Gerät auch sofort und manuell starten, aber man nimmt dann eben einen höheren Strompreis in Kauf. Der Vorteil ist, dass schon durch diese Steuerung die Netzschwankungen bei den Anbietern verringert werden. Das wiederum bewirkt, dass die erneuerbaren Energien mehr Sinn machen, als jetzt ohne dieses Energiemanagement. In abgewandelter Form gab es dies übrigens schon einmal in der DDR mit den sogenannten Nachtspeicheröfen. Diese wurden mit billigem Nachtsstrom aufgeheizt und haben am Tag diese Wäre in den Raum abgegeben.

Stufe 2: Dezentrale Speicher im Haushalt

Diese Ausbaustufe ist auch nicht neu. Viele Besitzer von Solaranlagen haben bereits einen solchen Speicher, für den eigenen, aus der Solaranlage gewonnenen Strom. Mir einem flexiblen Energiepreis würden diese dezentralen Hausspeicher jedoch für alle Sinn machen. Sie könnten mit billigem Strom geladen werden, der dann zu jederzeit im Haushalt zur Verfügung steht. Man hat zwar einmalig eine Investition, dafür spart man beim (flexiblen) Strompreis. Die Kapazität kann jeder selbst für seine Bedürfnisse bestimmen. Diese richtet sich nach dem Gesamtverbrauch und wie viele Tage man autark Energie haben möchte.

Es gibt aber noch weitere Vorteile:

  • Viele Geräte arbeiten mit einer niedrigen Voltzahl. Dafür ist meist ein Netztrafo notwendig, der den Strom in eine niedrigere Voltzahl transferiert. Mit einer Pufferbatterie im Haushalt könnte man bestimmte Geräte direkt mit niedervoltigem Strom versorgen (beispielsweise Computer, oder alle Geräte mit USB Stromversorgung….) Damit gäbe es hier auch zusätzlich eine Einsparung durch weniger Stromverbrauch und weniger Netzteile
  • Ein auch nicht zu verachtender Punkt ist, man hat, bei einem Stromausfall für eine bestimmte Zeit einen Strompuffer. Diese Kapazität kann man durch Definition von  wichtigen Stromverbrauchern zusätzlich weiter drosseln. Während beispielsweise Waschmaschine oder Geschirrspüler oder andere weniger überlebens relevante Verbraucher außer Betrieb genommen werden, können wichtige Verbraucher, wie Kühlschrank, Internet oder Alarmanlage weiter mit Strom versorgt werden. Was für jeden relevant ist, kann man selbst entscheiden und per App einstellen.
  • solche Speicher wären auch ideal für Ladestationen von E-Autos. Damit würde man die Betriebskosten weiter senken können, in dem man den Pufferspeicher mit billiger Energie speist und diese immer zur Verfügung hat. Die Größe ist auch hier frei skalierbar und kann sinnvollerweise 1-5 (oder mehr) Ladezyklen betragen

Stufe 3: Dezentrale Speicher in den Geräten

Wir kennen es bereits heute. In vielen Geräten kommen Sie zum Einsatz, Dezentrale Speicher in den Geräten. Wir finden sie im Handy, in Spielzeug, im Akkuschrauber und anderen Werkzeugen und in manchen Staubsaugern. Alle Geräte haben eines gemeinsam, sie müssen irgendwann geladen werden. Werden sie heutzutage meist zum Laden direkt ans Netz angeschlossen, würde bei einer Kommunikation mit dem Stromzähler der günstigste Preis zum laden gewählt. Wenn man das Gerät dringend braucht, kann man es natürlich direkt laden, oder man hat einen Wechselakku.

Es gibt aber auch Geräte die heute noch ohne Akku funktionieren. Ein gutes Beispiel ist die Kaffeemaschine. Jeder weiß, wieviel mal man diese am Tag braucht. Bei den Meisten ist es wahrscheinlich 1-2 mal am Tag. Baut man in die Kaffeemaschine nun eine “Powerbank” ein die für fünf Nutzungen Energie bereit stellt, kann man Billig Strom nutzen, egal wann man Kaffee trinken möchte. Theoretisch kann man die Kaffeemaschine dann im Sommer sogar im Garten ohne Netzanschluss Kaffe kochen lassen. Dies läßt sich auf alle möglichen elektrischen Geräte ausdehnen.

Anmerkung:

Sicher werden sich jetzt Einige Leute fragen, wo soll die ganze Energie herkommen? Zu diesem Thema Energiegewinnung, werde ich aber eine eigene Zukunftsidee formulieren. Auch dazu gibt es spannende Dinge, die man umsetzen kann.

Fazit:

Eine “Energiewende” einzuleiten, welche die Kosten auf dem Rücken der Energiekunden / Verbraucher abwälzt ist das Eine. Dem Verbraucher aber auch Geld und Nutzen bringen, ist das Andere. Hier unterscheide ich mich klar von den Klima Ideologen.

Verbunden mit innovativer Technik, muss das Thema erneuerbare Energie nicht zwangsweise teurer werden.

Mit einem flexiblem Energiepreis, kombiniert mit Smart Home Geräten und dezentraler Speicherung, machen erneuerbare Energien durchaus Sinn und sind nicht, wie jetzt, eine Belastung.

Diese Umsetzung dieser Zukunftsidee würde eine win-win Situation herbeiführen. Für die Energieversorger hätte es den Vorteil, dass eine höhere Netzstabilität die Folge wäre, da es weniger Verbrauchsspitzen, die sich direkt aufs Netz auswirken, geben würde. Ebenso brauchte man auch weniger Energie kostenpflichtig in Nachbarländer abführen.
Somit würden wir nachhaltiger Energie gewinnen.
Der Verbraucher würde Geld sparen, aber auch bei einem Stromausfall hätte man für eine gewisse Zeit eine private Energiereserve.

Die Diskussion zum Thema kann man hier bei Facebook führen:

Alle Zukunftsideen findet man auch unter www.h-r.net.

Text  ©Heiko Richter Foto: Pressefoto RWE

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